Gottesdienst am 16. Juli 2017 in der Bartholomäuskirche – 5. So. n. Trinitatis – Verabschiedung Pfr. Traugott Plieninger u. Familie

ERÖFFNUNG UND ANRUFUNG

Musik zum Eingang, Posaunenchor: „Are you ready?“
(Richard Roblee, *1943)

Kantorei: „Der Herr ist mein Hirt“ (Bernhard Klein)

Begrüßung

Lied: Mein erst Gefühl sei Preis und Dank     451,1-10

Wochenspruch (5. So. n. Trin.)

Aus Gnade
seid Ihr
selig geworden
durch den Glauben,
und das nicht aus euch:
Gottes Gabe ist es.
Eph. 2,8

Eingangswort

Eröffnung – Im Wechsel gesungen

  1. Der mich atmen lässt, bist du, lebendiger Gott, der mich leben lässt, bist du, lebendiger Gott. Der mich schweigen lässt, bist du, lebenidger Gott. Der mich atmen lässt, bist du, lebendiger Gott.
  2. Der mich warten lässt, bist du, lebendiger Gott / der mich handeln lässt, bist du, lebendiger Gott. / Der mich Mensch sein lässt, bist du, lebendiger Gott / der mich atmen lässt, bist du, lebendiger Gott.
  3. Der mich pflanzen lässt, … / der mich wachsen lässt, … / der mich reifen lässt… / der mich atmen lässt, …
  4. Der mich glauben lässt, … / der mich hoffen lässt, … / Der mich lieben lässt, …/ der mich atmen lässt, …
  5. Der mich weinen lässt. …/ der mich lachen lässt, … / Der mich trösten lässt, … / der mich atmen lässt, …
  6. Der mich tanzen lässt, …/ der mich singen lässt, …/ Der mich still sein lässt, …/ der mich atmen lässt, …
  7. Der mich beten lässt, … / der mich preisen lässt, … / Der mich bergend hält, … / der mich atmen lässt, …
  8. Der mir Freude schenkt, … / der mir Freiheit schenkt, … / Der mir Leben schenkt, … / der mir Atem schenkt …

Text: Anton Rotzetter, Melodie: Beate Bendel; © Herder-Verlag, Freiburg

Psalmgebet: Psalm 84     734

Gebet zum Eingang – Stilles Gebet

Maren Jacob: „Singe, Seele, Gott zum Preise“ (G.F. Händel)

VERKÜNDIGUNG UND BEKENNTNIS

Schriftlesung: 1. Kor. 1,18-25 (Epistel)

18 Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist‘s eine Gotteskraft.
19 Denn es steht geschrieben: »Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.«
20 Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?
21 Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben.
22 Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit,
23 wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit;
24 denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
25 Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind.

Kantorei:        „Lobe den Herren den mächtigen König“  (J.S. Bach)

Schriftlesung: Lukas 5,1-11 (Evangelium)

1   Es begab sich, als sich die Menge zu Jesus drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth
2   und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
3   Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.
4   Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!
5   Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.
6   Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen.
7    Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken.
8   Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.
9   Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,
10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.
11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Maren Jacob:          „Dir, dir Jehova will ich singen“ (J.S.Bach)

Glaubensbekenntnis     686

Wochenlied (neu):  Nun aufwärts froh den Blick gewandt…      394,1-5

Predigttext: Johannes 1,35-42

35    Johannes, der Täufer, stand am Jordan und zwei seiner Jünger;
36    und als er Jesus vorübergehen sah, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm!
37    Und die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach.
38    Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister –, wo ist deine Herberge?
39    Er sprach zu ihnen: Kommt und seht! Sie kamen und sahen‘s und blieben diesen Tag bei ihm. Es war aber um die zehnte Stunde.
40     Einer von den zweien, die Johannes gehört hatten und Jesus nachgefolgt waren, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus.
41    Der findet zuerst seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden, das heißt übersetzt: der Gesalbte.
42    Und er führte ihn zu Jesus. Als Jesus ihn sah, sprach er: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt: Fels.

Predigt

Liebe Gemeinde,

aus dem Schatz der Bibel eine Berufungsgeschichte, ein wenig anders erzählt als bei Lukas, gerade als wolle der Schreiber des Johannesevangeliums etwas berichtigen, als wolle er sagen: es war eigentlich so!

Die Evangelien sind im Rückblick geschrieben – wie es manchmal gut ist Rückblick zu halten. Was ist nicht alles gewesen in den letzten 19 Jahren, in denen wir Plieningers dabei sein durften, unseren Anteil beisteuern durften. Aber wir halten ja dieses Jahr auch Rückblick auf 500 Jahre Reformation, befassen uns mit Martin Luther – oder, wie der Arbeitskreis Geschichtsforschung mit seinem Jahresausflug gestern, mit Martin Bucer, dem Reformator im Elsaß.

Und wir lesen die Bibel, das Neue Testament, das Alte Testament, gehen zurück auf die Anfänge, mit dem heutigen Predigttext auf die Geschichten am Jordan. Johannes der Täufer taucht auf und deutet auf Jesus. Ich habe das Bild in die Programme genommen, das Johannes den Täufer darstellt, Gert Fabritius, gestaltet in Anlehnung an den Isenheimer Altar. Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen, sagt Johannes. Matthias Grünewald und Gert Fabritius nehmen die Szene vom Jordan weg und verlegen sie auf die Kreuzigung: „Wir aber predigen Christus, den gekreuzigten“ sagt Paulus, haben wir in der Schriftlesung gehört.

In unserem Abschnitt sagt Johannes: „Siehe, das ist Gottes Lamm!“ Was bedeutet das? Zweimal fällt der Begriff. Die erste Fundstelle ist kurz vor dem Predigttext, da heißt es noch, das Lamm, das der Welt Sünde trägt, als wäre ihm alle Last, alles Unrecht, alles Schlimme dieser Welt zu tragen auferlegt. Jesus reagiert darauf nicht, kommentiert nicht, was Johannes über ihn sagt. Aber er wird die Last dieser Welt zu tragen bekommen, wird sie tragen.

Die Jünger. Zwei wechseln von Johannes zu Jesus. Einer sagt: „Wir haben den Messias gefunden“ und bringt seinen Bruder Simon mit. Von da an wird für sie alles anders: „This day ist the first day of the rest of your life” – “Heute ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens.” Mit diesem Aufbruch hat für die Männer ein neues Leben angefangen. Von dem, was vorher war, wissen wir fast nichts.

Aufbruch. Jesus bespricht mit ihnen nicht, was er vorhat. Sie lassen sich nicht auf ein Projekt ein, sie entwerfen nicht ein Konzept, sie suchen nicht einen guten Standort, sie kümmern sich nicht um Finanzierung und Zuschüsse, sie nehmen keine Unternehmensberatung in Anspruch, sie gründen keine Kirche, sind erfinden keine Religion, sie folgen Jesus, von dem sie glauben, er ist der Messias.

Es ist auch keine Allerweltsgeschichte. Von den vielen, die zu Johannes an den Jordan gekommen sind, sind die allermeisten wieder nach Hause gegangen. Ein paar sind seine Jünger geworden, ein paar sind Jesus nachgefolgt. Deren Geschichte ist mit dem Anfang der Christenheit eng verknüpft.

Am Anfang steht Offenheit,
am Anfang steht Bereitschaft,
am Anfang steht vielleicht auch Neugier,
am Anfang stehen auch gemischte Gefühle: aus dem Gewohnten, Bekannten aufbrechen …
Und doch wird man sagen müssen,
dass ohne Aufbruch kein Vorwärtskommen ist.

Einen winzig kleinen Abschnitt dieser Geschichte haben wir in den 19 Jahren miteinander weitergetragen. Wenn ich die Liste der Pfarrer auf dieser Stelle ansehe, ist jetzt der Übergang vom 41. zum 42. Pfarrer. Durchschnitt etwa 12 Jahre bis meine Vorgänger weitergezogen sind oder verstorben sind. Es ist schon bewegend, in solch einer Liste zu stehen, aber noch bewegender in einer Linie seit den Tagen Jesu und der Apostel zu stehen, in der wir alle stehen. Auf ihn, auf diese Geschichte berufen wir uns, wenn wir im Gottesdienst das Glaubensbekenntnis sprechen, die Bibeltexte verlesen, Taufe und Abendmahl feiern.

Manchmal hat man festen Boden unter den Füßen, manchmal ist es ein Balanceakt, deshalb finden Sie diese waghalsige Skulptur in den Gottesdienstprogrammen beim Wochenspruch (s.o.). Ein Windstoß könnte sie zum Einsturz bringen, aber sie hält.

Bauen.

Im Gottesdienstprogramm ist beim Glaubensbekenntnis das Bild vom Gemeindehausneubau abgebildet. Er hat uns in den Jahren 2001, 2002 beschäftigt. 2003 haben wir die Einweihung gefeiert. Es ist schon lange her und war doch ein wichtiger Abschnitt unserer Geschichte.

Gemeinde hat immer mit Bauen zu tun, mit neu Bauen oder Sanieren, mit Umbauen, mit Veränderung. „Alles bleibt anders“ habe ich vor einem Jahr im Gemeindebrief geschrieben. Was wurde nicht alles gebaut die letzten Jahre und doch ist so vieles noch weiterzubauen, die Kirche weiter zu renovieren, die Pfarrhäuser, der Kirchplatz, die Kindergärten.

Bauen aber auch nach innen.

Veränderungen im Gemeindeleben, vielleicht am besten ablesbar in den Wahlperioden des Kirchengemeinderats, wo sich dann im Leitungsgremium der Kirchengemeinde der Generationenwechsel in der Gemeinde widerspiegelt. Da darf auch einmal eine Pfarrstelle neu besetzt werden.

Nun aufwärts froh den Blick gewandt…

Das Bild mit Pfarrer Schleinitz ist mir die letzten Tage begegnet. Einer, der noch unter uns ist. Andere sind es längst nicht mehr. Bei meiner Investitur 1998 war noch Pfarrer Fiffek dabei, ich denke an die Jahre mit Walter Pflugfelder, an all die Kolleginnen und Kollegen der letzten Jahre samt Vikarin und Vikaren. Das sind schon eine Menge Namen, die hier genannt werden könnten.

„Rabbi, wo ist deine Herberge? Er sprach zu ihnen: Kommt und seht!“ Wer im Johannesevangelium liest, merkt sehr schnell, dass die Worte eine vordergründige und immer auch eine tiefere Bedeutung haben. Jesus sagt nicht, wo er wohnt, gibt keine Adresse an, geschäftlich oder privat. Er hat keinen Firmensitz und keinen Wohnsitz im üblichen Sinn. Kommt und seht… – „Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort, hab mich niemals deswegen beklagt, hab es selbst so gewählt, nie die Jahre gezählt, nie nach gestern und morgen gefragt…“ Das Lied von Hannes Wader kommt mir in den Sinn.

„Kommt und seht…“ – „Sie kamen und sahen‘s und blieben diesen Tag bei ihm. Es war aber um die zehnte Stunde.“ Es gibt das Heute, das Hier und Jetzt, es wird immer konkret, bleibt nicht im Ungefähren, und auch wenn Jesus keine Adresse angibt, so ist er doch an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit. Es ist keine Idee, es ist Wirklichkeit.

Weitergehen bedeutet, Spuren hinterlassen. „Auf den Spuren Jesu“ sind Reisegruppen unterwegs, auf den Spuren Martin Luthers waren wir in der Woche nach Pfingsten unterwegs. Bei Luther war es uns sehr eindrücklich, welches Werk er in Gang gesetzt hat ohne es zu wollen, nur, indem er sich den Herausforderung gestellt hat, die er erkannt hatte. Und war doch ein Mensch mit Fehlern und Schwächen, ist in manchem auch falsch gelegen, worüber man heute offen spricht.

Spuren hinterlassen… Es können viele Spuren oder wenige Spuren sein, und wenn im Rückblick viel Positives genannt und gesehen und erwähnt wird, so ist mir doch wichtig, dass ich Menschen auch enttäuscht oder verletzt haben kann, wo es mir Leid tut; aber vielleicht hab ich es nicht einmal mitbekommen und bitte um Vergebung.

Die Verbundenheit mit Markgröningen wird bleiben. Wir werden ja in Ditzingen in der Gröninger Straße wohnen, die Verbindungen sind längst nicht alle abgeschnitten: der Kirchenbezirk und vieles andere hält uns ja vorläufig beisammen. Wichtiger ist die Verbundenheit im Glauben und zum Glauben, die Verbundenheit mit Jesus Christus, der dann gesagt hat: Ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende. Amen.

Musikstück Posaunenchor:    „Ein feste Burg ist unser Gott”
(Felix Mendelssohn Bartholdy)

FÜRBITTE UND SENDUNG

Fürbittengebet

Vaterunser

Lied:   Der Herr, der Schöpfer bei uns bleib     140,2-5

Bekanntgaben

Musikstück Posaunenchor

Segen

Musik zum Ausgang

 

Veröffentlicht von

TPlieninger

Pfarrer, ev. Referent beim Dekan in 71254 Ditzingen