Das Wort für die Woche vom 2.-8. Februar 2026
Evangelische Kirchengemeinde Bietigheim

In katholisch geprägten Regionen war der 2. Februar lange Zeit als „Mariä Lichtmess“ bekannt. Der Name benennt das Fest „der Darstellung des Herrn“ (Luk. 2,22ff), an dem in den Gottesdiensten die Kerzen für das Jahr geweiht wurden.
Der 2. Februar ist der 40. Tag, vom Christfest an gerechnet.
Vielleicht ist das alles Schnee von gestern: diese Zahlensymbolik, diese vergessenen Feiertage, nach denen man das Jahr eingerichtet hat. Freilich, sie hatten auch etwas Verlässliches. Nach Weihnachten kommt Silvester und nach Silvester Neujahr, der 6. Januar, der 2. Februar, die Narrenzeit, dann die Fastenzeit und schließlich Ostern. Das war immer so und wird immer so sein. Im Winter fällt Schnee und im Frühling schmilzt das Eis. Die Tage werden länger und wärmer, die Saat geht auf.
Heute leben wir kaum noch entlang dieses Kalenderwissens, stattdessen begleiten uns die Nachrichten des Tages, die Wirtschaftsdaten, wissenschaftliche Prognosen, Bilanzen und Börsenkurse, die Wetterberichte, Sportereignisse, Kriegsverläufe… Zugleich schwindet das Gefühl, man könnte sich auf irgendetwas ganz und gar verlassen. Was ist überhaupt noch gewiss? Der Zweifel am Verlässlichen wächst. Das Gefühl der Verunsicherung ist weit verbreitet. Ich denke oft an ein fast versunkenes Gedicht von Rudolf Otto Wiemer (1905-1998), das mich in vielem, was Bangigkeit verursacht, noch immer anspricht:

An die Zitterpappel
Gut,
dass du da bist.
Dein Grün zittert
mittags im Licht.
Zittert nachts
ohne Mond, ohne Wind.
Du birgst das Nest der Krähe,
des Kummervogels.
Du hütest das Wasser, das
rasch davonfließt.
Immer höher wächst du,
immer vollere Krone.
Wächst über das Dach des Vaters,
der lange tot ist,
der sagte sooft ihm bang war:
„Gut, dass du da bist, Baum, Du
zitterst und wächst,
zitterst und wächst zugleich.
(Rudolf Otto Wiemer, Ernstfall, 1963)
Ich wünsche Ihnen einen behüteten Tag, eine gesegnete Woche, was immer kommen mag.
