Willkommen zu einer erstklassigen Kulturreise durch Norditalien von Trient bis Triest. Sie erleben eine sorgfältig abgestimmte Route, die historische Städte, kunstvolle Architektur und beeindruckende Landschaften miteinander verbindet. Die kulturelle Vielfalt ist beeindruckend und reicht von der Gotik und Renaissance in Trient über die romantische Kulisse Veronas, Paduas Universitätsgeschichte und Udines venezianische Eleganz bis hin zu Triests kosmopolitischer Hafenflair. Freuen Sie sich auf faszinierende Kirchen, Plätze, Schlösser und die italienische Lebensart.
Das Wort für die Woche vom 2.-8. Februar 2026 Evangelische Kirchengemeinde Bietigheim
In katholisch geprägten Regionen war der 2. Februar lange Zeit als „Mariä Lichtmess“ bekannt. Der Name benennt das Fest „der Darstellung des Herrn“ (Luk. 2,22ff), an dem in den Gottesdiensten die Kerzen für das Jahr geweiht wurden.
Der 2. Februar ist der 40. Tag, vom Christfest an gerechnet. Vielleicht ist das alles Schnee von gestern: diese Zahlensymbolik, diese vergessenen Feiertage, nach denen man das Jahr eingerichtet hat. Freilich, sie hatten auch etwas Verlässliches. Nach Weihnachten kommt Silvester und nach Silvester Neujahr, der 6. Januar, der 2. Februar, die Narrenzeit, dann die Fastenzeit und schließlich Ostern. Das war immer so und wird immer so sein. Im Winter fällt Schnee und im Frühling schmilzt das Eis. Die Tage werden länger und wärmer, die Saat geht auf.
Heute leben wir kaum noch entlang dieses Kalenderwissens, stattdessen begleiten uns die Nachrichten des Tages, die Wirtschaftsdaten, wissenschaftliche Prognosen, Bilanzen und Börsenkurse, die Wetterberichte, Sportereignisse, Kriegsverläufe… Zugleich schwindet das Gefühl, man könnte sich auf irgendetwas ganz und gar verlassen. Was ist überhaupt noch gewiss? Der Zweifel am Verlässlichen wächst. Das Gefühl der Verunsicherung ist weit verbreitet. Ich denke oft an ein fast versunkenes Gedicht von Rudolf Otto Wiemer (1905-1998), das mich in vielem, was Bangigkeit verursacht, noch immer anspricht:
An die Zitterpappel
Gut, dass du da bist.
Dein Grün zittert mittags im Licht.
Zittert nachts ohne Mond, ohne Wind.
Du birgst das Nest der Krähe, des Kummervogels.
Du hütest das Wasser, das rasch davonfließt.
Immer höher wächst du, immer vollere Krone.
Wächst über das Dach des Vaters, der lange tot ist,
der sagte sooft ihm bang war: „Gut, dass du da bist, Baum, Du
zitterst und wächst, zitterst und wächst zugleich.
(Rudolf Otto Wiemer, Ernstfall, 1963)
Ich wünsche Ihnen einen behüteten Tag, eine gesegnete Woche, was immer kommen mag.
Tag zwei unserer Wanderung in der Sahara. Wir waren nach Marrakesch geflogen, hatten die unvergleichliche Stadt genossen und sind dann über das Atlasgebirge gefahren in den Süden Marokkos. Ein Stopp in Zagora, der letzten Stadt am Rande der Wüste. Wir besuchen den Markt, besorgen uns den Chèche, das lange Baumwolltuch, lernen es als Turban zu binden. Wir werden ihn brauchen bei unserer Wanderung durch die Wüste. Dann fahren wir weiter nach Süden, noch 90km durch das Draa-Tal, das jetzt kein Wasser mehr führt, zur Oase Mhamid, beziehen das Wüstenhotel Chez le Pacha für eine Nacht, wählen für diese erste Nacht in der Wüste die einfachste Zimmerkategorie, treffen uns zum Abendessen im Restaurant, bereiten dann unser Gepäck vor für die kommenden sechs Tage, legen uns zur Ruhe. Es ist still, unbeschreiblich still, so still, dass man sich vor dem Einschlafen schon fast fürchtet. Ich greife zu einem Büchlein mit irischen Gebeten, Segensworten, kurzen Besinnungen, denke an die Oma unserer Kinder, meine Schwiegermutter, die im Sterben liegt. Werde ich sie noch einmal sehen, wenn wir zurück sind? Schließlich schlafe ich doch ein. Es weckt mich der Esel, der laut schreit wie nur Esel schreien können, fast gleichzeitig ruft der Muezzin beim ersten Silberstreif am Horizont zum Gebet.
Wir treffen uns beim Frühstück, unsere Begleiter mit den Kamelen sind da. Wir bringen unsere Tagesrucksäcke und, pro Person, eine weitere Tasche zum Bepacken der Kamele. Unser restliches Gepäck bleibt im Hotel. Hamid, unser Guide, und seine Mannschaft packen routiniert. Wasser in 1,5-Liter-Flaschen, kleine Zelte für ein- oder zwei Personen, Gemeinschaftszelte, Kücheninventar und Lebensmittel. Mit allem werden die Kamele beladen, 14 oder 15 Tiere. Unglaublich, was sie tragen können. Dann starten wir, lassen die Zivilisation hinter uns, fließendes Wasser, Elektrizität, Häuser, Straßen, Wege, Verkehrsschilder, Werbung, Schaufenster, Behörden, Geschäfte. Wir wandern mit unseren Begleitern, mit den Kamelen, sind froh, dass wir nicht allein sind. Jetzt ist jeder wichtig. Nach einer guten Stunde gibt es eine Pause, dann geht es weiter. Die Sonne steigt höher, unsere Schatten werden kürzer, wir spüren die trockene Hitze. Die zweite Pause ist die Mittagspause. Die beiden Gemeinschaftszelte werden aufgestellt. Schatten! Schatten hat hier eine andere Bedeutung als in unserem gemäßigten Klima in Deutschland. Schatten ist lebensrettend. Schatten und Wasser sind lebensrettend. – Irgendwann brechen wir noch einmal auf, wandern wieder zweimal eine gute Stunde, dann sind wir am späteren Nachmittag in einer Umgebung, die für das Nachtlager wie geschaffen ist: sanfte Dünen, ein bisschen karge Vegetation, keinerlei Hinterlassenschaften von irgendetwas Lebendigem, was vor uns da gewesen sein könnte. Wir werden unseren Müll auch mitnehmen und das Terrain sauber verlassen. Die Kamele werden von ihren Lasten befreit. Sie bleiben in der Nähe des Lagers. Jede und jeder sucht sich einen Platz für sein Zelt oder sein Open-Air-Nachtquartier, entrollt Isomatte und Schlafsack, zieht sich um für die Nacht. Es wird kalt. Schon spürt man, dass die Sonne nicht mehr die Kraft hat wie zuvor. Später sind wir im Gemeinschaftszelt, essen, trinken Tee, nach und nach ziehen sich alle zurück, schlafen unterm Sternenhimmel oder im Zelt unter dem Sternenhimmel. Weißt du, wieviel Sternlein stehen?
Ein Moment ist mir besonders in Erinnerung. Es war nach der zweiten Tageswanderung, im Kalender der 30. Oktober 2011, – aber wir waren ja außerhalb jedes Gefühls für den Kalender, kannten nur den Morgen, den Mittag, den Abend, die Nacht in der Wüste. Wir waren wieder angekommen, Tag zwei dieser Wüstentage, hatten in der Nachmittagssonne uns in einer besonders schönen Umgebung für unseren Platz für die Nacht entschieden. Noch war es hell, und jede und jeder für sich irgendwo in den Dünen, waren in Sichtweiter voneinander, in Sichtweite zu den Gemeinschaftszelten. Es war still, nirgendwo eine Unterhaltung. Es war so still, dass man von der Stille geradezu berührt war. Es war nicht Abwesenheit von Geräusch, Gespräch, Lärm oder Summen, es war nicht die kurze Stille des Gebets in der Kirche, nicht die Stille irgendeiner Einsamkeit, nicht die Stille der Nacht. Es war eine Stille, aus der heraus fast unmerklich, aber doch deutlich Töne zu hören waren, sphärische Klänge. Aber waren es nicht doch bekannte Töne, die da vom Wind herübergetragen wurden? War das nicht Mozart? Es hörte sich an, als wäre es die kleine Nachtmusik, so leise und doch deutlich genug, dass sich die Töne harmonisch mit der Stille verbanden, die Stille nicht zerstörten, sondern ihr einen zusätzlichen Klang gaben. Irgendwann war alles vorbei. Später habe ich gefragt, ob noch jemand anderes gehört hätte, was ich gehört hatte. Ja, einer der Wüstenwanderer hatte als eiserne Ration Musik im Gepäck – für besondere Momente. Es war ein besonderer Moment, und jedes Mal, wenn ich die kleine Nachtmusik jetzt höre, bin ich zurückversetzt in diesen Moment in der Wüste, der jeden Tag länger zurückliegt und doch nachklingt, weiter nachklingt.
Das Wort für die Woche vom 17. – 23. November 2025 Ev. Gesamtkirchengemeinde Bietigheim
Wir sind in der Woche mit dem Buß- und Bettag, der langsam, aber sicher verblasst. Seit 1995 ist er nicht mehr gesetzlicher Feiertag, davor war er es von 1934 an einheitlich in ganz Deutschland, immer am Mittwoch vor dem Totensonntag. Während des 2. Weltkriegs wurde er auf einen Sonntag gelegt, nach Kriegsende unterschiedlich wieder eingeführt und in der DDR auch wieder abgeschafft. 1990 gab es dann nicht nur zum ersten Mal den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober, sondern auch sieben Wochen später wieder im ganzen Bundesgebiet den Buß- und Bettag, der dann bald danach erneut abgeschafft wurde – außer in Sachsen.
Wer hierzulande heute 30 Jahre alt ist, hat den Buß- und Bettag nicht mehr als gesetzlichen Feiertag kennengelernt. In evangelisch geprägten Regionen bemühen sich die Kirchen und Kirchengemeinden, ihn als rein kirchlichen Feiertag zu begehen, i.d.R. mit Abendgottesdiensten, um ihn auf diese Weise nicht ganz in Vergessenheit geraten zu lassen und seine Bedeutung zu erhalten. Aber eigentlich waren die Bußtage staatlich angeordnet, um die Bevölkerung in Notzeiten zum Gebet und zur Einkehr und Umkehr aufzurufen.
Es ist ein Gedanke, der mich durchaus beschäftigt, dass man Krisenzeiten für das Land nicht durch die Abschaffung von Feiertagen überstehen wollte, sondern bewusst durch die Ansetzung von Feiertagen, – nicht durch Aufforderung, die Ärmel hochzukrempeln und die Konjunktur zu beleben, sondern durch Aufforderung, die Arbeit für einen Tag der Umkehr und des Gebets ruhen zu lassen. Wäre das nicht ein Impuls in Zeiten der fortdauernden Empörung und der allgemeinen Verdrossenheit, einmal innezuhalten? – Ich empfehle auf alle Fälle einen Bußgang, einen einsamen Spaziergang, eine Art Pilger-Etappe mit Station in einer geöffneten Kirche oder unter freiem Himmel: Zeit für ein Gebet, ein Nachsinnen, Gedanken der Dankbarkeit, des Mitgefühls, der Barmherzigkeit und der Güte. Und sollte man dann bemerken, dass das kein sinnloses Tun war, sondern gut getan hat, dann muss man auch nicht bis zum Buß- und Bettag im nächsten Jahr warten, um diesen Gang zu wiederholen. Das Gedenken der letzten Woche an den 13. November 2015, den Tag der Anschläge in Paris, hat wieder gezeigt, dass das Bedürfnis innezuhalten Raum braucht, auch in einer modernen Gesellschaft unserer Tage.
Ev. Gesamtkirchengemeinde Bietigheim Das Wort für die Woche vom 13. 10 bis 18. 10 2025
Wer kennt sie nicht, Männer oder Frauen, mit den roten Westen und Verkäuferausweis in den Fußgängerbereichen unserer Region. Roter Kittel & Ausweis sind Pflicht für Verkaufende. Auf den Zeitungen, die sie verkaufen, muss ihre Ausweisnummer gestempelt sein. Trott-war können alle verkaufen, die über ein geringes Einkommen verfügen oder wohnungslos sind. Der Verkauf der Straßenzeitung bietet Obdachlosen, Wohnungslosen, Arbeitslosen, Rentnern, Menschen mit einer Erkrankung oder Behinderung und Geringverdienern eine Möglichkeit, Geld zu verdienen und wieder ins Arbeitsleben einzusteigen. Der Verdienst wird innerhalb bestimmter Grenzen nicht auf Sozialleistungen angerechnet.
Einen fairen Start bietet trott-war mit den ersten zehn Zeitungen, die mit Kittel, Ausweis und Tasche gratis zur Verfügung gestellt werden. Sie bilden das Startkapital. Die Trott-war-Verkaufenden bestimmen selbst über ihre Arbeit. Sie legen fest, wann, wie lange und wie oft sie verkaufen. Es gibt aber Trott-war-Regeln zum „Wie“ des Verkaufs. So sind z.B. die Plätze für den Verkauf nicht nach Gutdünken wählbar, sondern werden durch den Vertrieb der Zeitung vergeben, am Wochenende durch den Verkäufersprecher. Über die weiteren Verkaufsregeln kann man sich online auf der Website von trott-war informieren: www.trott-war.de.
Trott-war erscheint monatlich und zeigt die Welt und unsere Region aus einer eigenen Perspektive. In der Oktober-Ausgabe gibt es auch einen Beitrag von Antje Weiß aus dem Redaktionsteam zum Thema: Wichtige Fragen und Antworten zum Straßenzeitungsverkauf. Falschverkauf der Trott-war. Für alle, die schon einmal misstrauisch gewesen sind. Besonders aber hat mich in der neuen Nummer die Schreibwerkstatt angesprochen, was ein junger Erwachsener, Benedikt R., über sich selbst schreibt: Oktober 2021. Ich war 18 Jahre alt und in der 13. Klasse, als ich ausgezogen bin. Nicht, weil ich Bock auf Unabhängigkeit hatte, sondern weil ich nicht mehr anders konnte. Zuhause zu bleiben war keine Option. Die familiären Probleme haben mich zerfressen. Ich war psychisch durch, musste da einfach raus. – Plötzlich war ich allein… Es folgt eine spannende Geschichte über zwei Seiten, die 4 Jahre später natürlich noch nicht zu Ende ist, aber schon einen Rückblick erlaubt auf schwierige Jahre, in denen ein junger Mensch seinen Weg selbst suchen musste.
Ich kaufe trott-war gerne, unterhalte mich mit den Verkaufenden. Sie freuen sich, wenn man auf sie zukommt und ihnen nicht ausweicht. Sie stehen im Leben, erzählen gerne. Mit Menschen, die stumm auf der Straße sitzen und betteln, habe ich Probleme, zugegeben. Aber die Trott-war-Verkaufenden stehen, sind freundlich und ansprechbar. Für mich bilden sie eine sympathische Familie von Menschen, die es im Leben nicht leicht hatten oder haben. Und die Zeitschrift, die sie verkaufen, lese ich gerne, einschließlich der Anzeigen. Da gibt es tatsächlich ein paar wenige Unternehmen, die in der Trott-war inserieren. Die sind mir auch sympathisch.
Eines geht übrigens nicht: man kann trott-war nicht abonnieren. Man muss es sich bei einem Verkäufer oder einer Verkäuferin holen und bar bezahlen. Da haben dann beide etwas davon.
Von der Fraueninitiative Hook&Thread (Haken & Faden) sind neue Kreuzsticharbeiten eingetroffen. Rückfragen bitte an mich, traugott.plieninger@fokusnahost.org. Näheres über Hook&Thread im Web-Menü von Fokus Nahost. Dort findet Ihr auch einen Flyer zum Herunterladen mit Bildern der Frauengruppe und Informationen über ihre Arbeit.
Ev. Gesamtkirchengemeinde Bietigheim Das Wort für die Woche vom 26. Mai bis 1. Juni 2025 von Pfr. i.R. Traugott Plieninger
Diese Woche ist unterbrochen durch den Feiertag Christi Himmelfahrt. Die neutestamentliche Grundlage bildet das erste Kapitel der Apostelgeschichte zusammen mit dem Schluss des Matthäusevangeliums, der Geschichte, dass die Jünger nach Galiläa gingenauf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte, um ihnen dort ein letztes Mal zu erscheinen. Von Jerusalem aus gesehen ist das ein weiter Weg, ein Pilgerweg im Namen Jesu, um ihm von Neuem zu begegnen.
Theologisch hat die Himmelfahrt Eingang ins Glaubensbekenntnis gefunden, aufgefahren in den Himmel. In den Traditionen, die sich gebildet haben, steht aber weniger die Theologie im Vordergrund, sondern das, was unter freiem Himmel – durchaus spirituell – stattfinden kann. In der Zeit um Himmelfahrt und am Himmelfahrtstag gibt es Wallfahrten, Prozessionen, in katholischen Gegenden auch Männerwallfahrten, so zum Beispiel im thüringischen Klüschen Haigis (Wachstedt), mit Tausenden von Männern, wo man wohl in diesem Jahr auch an den Bauernkrieg vor 500 Jahren erinnern wird, an den Reformator Thomas Müntzer, der im nahen Mühlhausen zum Aufstand aufgerufen hat.
Aus den Männerwallfahrten mögen sich die Vatertags- Wanderungen ergeben haben. Sieht man vom christlichen Bezug ab, hat man im Mai und Juni die Flurbegehungen, die Felderrundfahrten bis hin zu den Wandertagen der Schulen oder den Ausflug der Kinderkirche, den Gemeindeausflug, bei dem fröhlich gesungen wird.
Mit jeder Wallfahrt und jedem Ausflug, im Grunde mit jedem Spaziergang geben wir im Kleinen eine Antwort auf die große Frage, wohin wir unterwegs sind. Wohin führen uns unsere Gedanken, wohin tragen uns unsere Füße? Was ist unser Horizont über den Kirchturm hinaus? Wie sieht unser Weg aus und was bedeutet uns der Himmel? Wie weit reicht unsere Kraft? Was stärkt uns, was macht uns müde? Was tut uns gut, was schadet? – Zum Pilgern gehört die Einkehr, der Gottesdienst genauso wie das Einkehren im Gasthaus. – Ich denke, wir brauchen diesen Feiertag wie auch die andern, sollten keinen mehr abschaffen. Sie sind eng mit unserem Heil verknüpft.
Ev. Gesamt-kirchengemeinde Bietigheim Wort der Woche 21.-17. April 2025
… blühende Bäume haben wir gesehn …
Zu Ostern gehören für mich Lieder, dieses Jahr besonders „Wir haben Gottes Spuren festgestellt…“ Es steht gar nicht bei den Osterliedern, sondern weiter hinten im Gesangbuch (EGWü 656). Mit dem Text kommt mir auch gleich die Melodie in den Sinn. … Liebe und Wärme in der kalten Welt, Hoffnung, die wir fast vergaßen. Jedes Wort, jeden Ton mag ich, die Viertel, die Achtel und die Pausen. Es ist ursprünglich ein französisches Lied von Michel Scouarnec (*1934), einem Priester und Schriftsteller aus der Bretagne, übersetzt von Diethard Zils (*1935), Priester in Mainz. In Windeseile hat es sich Anfang der 80er-Jahre über Konfessionsgrenzen hinweg verbreitet: Blühende Bäume haben wir geseh‘n, wo niemand sie vermutet, Sklaven, die durch das Wasser geh‘n, das die Herren überflutet. Zeichen und Wunder sahen wir gescheh‘n in längst vergang’nen Tagen, Gott wird auch unsere Wege geh‘n, uns durch das Leben tragen.
Ich denke an die neue Zeit, die in Syrien angebrochen ist, Zeichen und Wunder nach fast 14 Jahren Krieg und Zerstörung. Sicher liegt noch ein langer Weg vor den Menschen dort, aber die Hoffnung blüht wieder, und die ersten Früchte reifen schon.
Auch die Wiedereröffnung der Kathedrale Notre Dame in Paris hat mich tief bewegt. Ich weiß noch, wie mir die Tränen kamen, als die Bilder vom Brand sich verbreiteten, und ich fassungslos vor dem Fernseher saß und es nicht wahrhaben wollte. Sechs Jahre ist es gerade her, dass die Feuerwehrleute gegen das Feuer gekämpft haben. Im Advent 2024 konnte Notre Dame wieder eröffnet werden. … Durch tote Fensterhöhlen kam ein Glanz, Strahlen, die die Nacht durchbrachen. …
Ich denke aber auch an die Menschen, die noch das Gegenteil von Ostern erleben, die noch nichts davon spüren dass Bettler und Lahme beim Tanz gesehen werden, dass Stumme wieder Worte finden, denke an die Menschen in der Ukraine, in Gaza, in Israel, im Westjordanland, im Sudan, in Myanmar und all die vielen, die nicht wissen, wie sie weiterleben sollen, weiterleben können. Ich denke an die vielen Menschen, die man in die Gefängnisse gesperrt hat, weil sie sich ihren Regimen nicht gebeugt haben. Trotzdem singe ich gegen all die Katastrophen und all das Unrecht dieser Welt an und wenn’s mit dem Lied ist, das eine Seite vorher im Gesangbuch steht: Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt? Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit, achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit…
Zu Ostern gehören Lieder, Hoffnungslieder, Freiheitslieder, Lieder gegen alles Unheil, Lieder gegen den Tod, Lebenslieder.
Ev. Gesamtkirchengemeinde Bietigheim – Wort der Woche 10.-16.2.25
Wer erinnert sich nicht: während der Corona-Pandemie hat man das Abstand-Halten geübt. Nur niemandem zu nahe kommen! Nur niemanden zu nah an sich heranlassen!
In Kirchen wurde mindestens jede zweite Bankreihe gesperrt und in den anderen Reihen durften höchstens – mit Abstand – drei Leute sitzen. In Restaurants, Kantinen, Versammlungsräumen wurden die Sitzplätze ausgedünnt. Nach und nach wurden die Regelungen wieder großzügiger. Aber das Abstand-Halten gilt weiterhin im Straßenverkehr, am Bankschalter, beim Arzt und am Bahnsteig. Wo der Abstand nicht eingehalten wird, kann es gefährlich werden, zumindest aber eng und ungemütlich. Schweigend steht man zu zweit, zu dritt oder viert im Aufzug, weil man sich fremd ist und zu nah beieinander steht.
In seinem berühmten Gedicht „Von der Ehe“ sagt der libanesische Dichter und Philosoph Khalil Gibran (1883-1931) zum Schluss:
Und steht zusammen, doch nicht zu nah: Denn die Säulen des Tempels stehen für sich, Und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der anderen.
Abstand gewinnen ist mir noch in anderer Hinsicht wichtig. Ständig sind wir konfrontiert mit Nachrichten, Werbung, Information. Einst hat man morgens die Zeitung überflogen und dann weggelegt. Heute können wir die Nachrichten mit unseren Smartphones den ganzen Tag verfolgen. Push-Meldungen kommen in kurzen Abständen. Es ist schwer, eine Distanz zu all dem zu gewinnen, was fortwährend Aufmerksamkeit beansprucht, uns bedrängt und womöglich zu nah kommt. Entsprechend gereizt und ungeduldig ist unsere Gesellschaft im Ganzen. Schnell greift die Empörung über, und die Menge ruft Skandal! Wir kommen mit allem, was auf uns einstürmt, nicht mehr gut zurecht. Ständig müssen wir entscheiden, ob wir reagieren wollen oder ob uns das nichts angeht. Wie gewinnen wir den nötigen Abstand?
Am ehesten, indem wir bewusst Gelegenheiten wahrnehmen, uns auf unsere Mitte auszurichten. Demnächst vielleicht, wenn es ab dem Aschermittwoch (5. März) wieder heißt: 7 Wochen ohne… Das diesjährige Motto der Fastenaktion lautet: Luft holen! Sieben Wochen ohne Panik. Wie passend, um Abstand zu gewinnen! Die Anregung stammt von Jesus. Ihn finden wir zu Beginn seiner Wirksamkeit nicht in einer Menschenmenge, sondern in der Wüste: 40 Tage, die ihn prägen. Später wird er immer wieder den Abstand suchen, den er zum Durchatmen braucht, um dann zu den Menschen zurückzukehren.
Ich wünsche Ihnen Gottes Segen, wenn Sie Abstand gewinnen müssen!
ev. Kirchengemeinde bietigheim Das Wort für die Woche vom 18. – 24. November 2024 von Pfr. i.R. Traugott Plieninger
November ist auch die Zeit des Laternelaufens, der Laternenumzüge, der Laternenlieder. Schon die Kleinsten sind mit unterwegs, wenn es draußen dunkel und kalt geworden ist, warm eingepackt, damit sie nicht frieren. Stimmt es, dass man die Laternenumzüge früher häufiger gesehen hat? So kommt es mir jedenfalls vor: mit allen Arten von Laternen, große runde mit einem Sonnengesicht, schmale längliche mit bunten Mustern. Heutzutage haben sich vielfach die Kindergärten dieser Tradition angenommen, meist um den Martinstag herum, den 10. November. Aber eigentlich kann man jeden Abend Laternelaufen und Laternenlieder singen mit selbst gebastelten Laternen, mit einem Batterielämpchen erhellt, damit nichts anbrennt. Die Kinder stört das nicht, dass es keine echten Kerzen sind. Wenn es dann im Advent überall weihnachtlich wird, Christbäume und Lichterketten die Straßen und Häuser schmücken, ist die Laternenzeit, die Zeit der kleinen Lichter, vorbei.
Mich berührt es, wenn ich einen Laternenumzug entdecke, diese kleine Art einer friedlichen Demonstration der Freude und des Aufscheinens von Lichtern im Dunkeln: Dort oben leuchten die Sterne und unten, da leuchten wir… singen die Kinder. Was kommt einem da nicht alles in den Sinn?! Laternelaufen gehen die Kinder nicht allein. Entweder sind die Eltern mit dabei oder die größeren Geschwister, Nachbarkinder oder es ist die ganze Kindergartengruppe samt Erzieherinnen, Eltern und Großeltern gemeinsam unterwegs. Behütet und begleitet gehen die Kinder durch die dunklen Straßen und Gassen. Die Laterne schützt das Licht. Die Kinder halten ihre Laterne vorsichtig in ihren kleinen Händen. Sie haben keine Angst im Dunkeln; aber sie spüren doch, dass die Nacht nicht weit weg ist, sondern geheimnisvoll nah und fremd, vor allem an Abenden, an denen der Himmel bedeckt ist, Mond und Sterne hinter Wolken verschwunden. Vielleicht gehören deshalb die Lieder zum Laternelaufen, damit es, wenn es dunkel ist, nicht auch noch gespenstisch still ist. Was für ein wunderbarer Brauch hat sich da erhalten aus Zeiten, in denen es keine Straßenbeleuchtung gab und man Lampen benötigte, wenn man nachts unterwegs war, vielleicht um Hilfe zu holen oder Hilfe zu bringen. Mit einer Laterne sieht man nicht weit, sieht gerade den Weg für die nächsten Schritte, geht langsam voran, muss darauf achten, wohin man seinen Fuß setzt, und darf sich nicht verirren bis man die beleuchteten Fenster sieht und sich darauf freut, wieder zuhause und in einer warmen Stube zu sein. Irgendwann ist es vorbei mit dem Laternelaufen, aber nicht mit der Dunkelheit und auch nicht damit, dass man in den Dunkelheiten dieser Welt Wege finden muss, aufeinander angewiesen ist, und dass es viele kleine Lichter braucht. Ihr seid das Licht der Welt, sagt Jesus seinen Jüngern, und sagt auch: Ich bin das Licht der Welt, damit die, die leuchten sollen, wissen, wo sie Orientierung bekommen.
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