Tage, die es nie gegeben hat…

Das Wort der Woche für 5.-11. Oktober 2026, Ev. Kirchengemeinde Bietigheim

Vor 444 Jahren gab es diese Woche, für die ich dieses Wort der Woche schreibe, nicht. Genauer gesagt, gab es das Datum 5.-14. Oktober 1582 nicht. Auf Donnerstag, den 4. Oktober, folgte Freitag, der 15. Oktober. Da es Papst Gregor XIII. war, der diese Kalenderreform erst angekündigt und dann angeordnet hat, wurde der Kalender nach ihm benannt, der Gregorianische Kalender. Die Protestanten taten sich lange schwer mit dieser neuen Zeitrechnung, weil sie einem Papst nicht gehorchen wollten, auch viele Orthodoxe Kirchen feiern Weihnachten und Ostern bis heute nach dem zuvor gültigen Julianischen Kalender, der auf Julius Cäsar zurückgeht. Aber in den offiziellen Kalendern hat sich dieser Gregorianische Kalender nach und nach durchgesetzt, und mit der komplizierten Berechnung der Schaltjahre stimmt seither der amtliche Kalender fast sekundengenau mit dem astronomischen Kalender überein.

Freilich, auf manche Tage, die es gegeben hat, hätten wir wahrscheinlich gerne verzichtet. Was gäben wir, der 7. Oktober 2023 hätte nie stattgefunden, das Massaker der Hamas am jüdischen Fest Simchat Tora wäre ausgeblieben, der Gaza-Krieg hätte nicht begonnen, die angrenzenden Länder wären nicht hineingezogen worden, die zehntausende Toten dieses Konflikts würden noch leben oder wären eines natürlichen Todes gestorben, die Traumata unter den Lebenden hätten sich nicht festgesetzt? Was gäben wir, der Antisemitismus wäre eine überwundene Periode einer dunklen Vergangenheit, und das Lebensrecht Israels als Staat wäre genauso eine Selbstverständlichkeit wie das Lebensrecht der Palästinenser!

Der 85. Psalm kommt mir in den Sinn, und es ist mir, als sollte ich eine Kerze anzünden dafür, dass diese Hoffnung noch brennt, dass Gerechtigkeit und Friede sich nicht gegenseitig bedrohen, sondern zusammenfinden.
Eine Kerze oder zwei, wenn auch als schwaches Licht.

Veröffentlicht von

TPlieninger

Pfarrer, ev., im Ruhestand