Das Wort für die Woche vom 18. – 24. Mai 2026
(Evangelische Kirchengemeinden in Bietigheim-Bissingen)


Ich mag es, draußen zu sein, frische Luft, Bewegung, über mir der Himmel.
Fotografieren ist dann manchmal eine Art von Meditation. Ich sehe das Tagpfauenauge, das sich kurz auf dem sonnenbeschienenen Weg niederlässt und Wärme tankt, sehe die Amsel, die sich versteckt: Leben, das leben will.
Die Nachrichten des Tages sind weit weg. Was interessiert die Amsel unser Gesundheitssystem? Ihr Leben ist kurz, sie hat Wichtigeres zu tun, als sich um die Meldungen des Tages zu kümmern. Wenn sie nicht mit Überleben beschäftigt ist, singt sie ihr Lied. Was kümmert den Falter das Feuilleton? Er liebt es, wenn die Luft angenehm ist. Er mag Brennnesseln, die wir meiden, nimmt uns Menschen nicht wichtig und flattert davon.
Seht die Vögel unter dem Himmel an, heißt es in der Bergpredigt. Ich beobachte sie, die Vögel, und denke, dass wir Menschen seltsame Wesen sind für sie. Sie meiden uns, folgen ihren eigenen Instinkten, suchen ihr Futter, bauen ihre Nester, versorgen ihre Jungen, erkunden die Lüfte, bilden Schwärme, ziehen fort und vielleicht kommen sie wieder. Auf ihren Reisen überqueren sie Länder und Ozeane, die Straße von Hormus, in der die Schiffe fest liegen, machen Rast, wo sie nicht aufgescheucht werden, fliegen weiter. Was treibt sie an, was zieht sie fort, was lässt sie zurückkehren?
Die Natur ist ein Universum. Wir Menschen sind oft nur Störenfriede. Hat menschliches Leben einen höheren Wert als das Leben um uns herum? Wir überleben nur gemeinsam. Albert Schweitzer kommt mir in den Sinn: Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will. Seine Philosophie und Ethik war: Ehrfurcht vor dem Leben. Ich denke, wir bekommen viel zurück, wenn wir der Natur mit Achtung begegnen.
