Wie halten Sie es mit der Religion?

Die Nationale Versammlung der Bahaì in den USA hat ihn einst initiiert, den WORLD RELIGION DAY, immer am 3. Sonntag im Januar, erstmals 1950. Inzwischen wird er auch über die USA hinaus wahrgenommen. Das Mühlacker Tagblatt hat am Samstag, 22. Januar eine kleine Umfrage von Volker Henkel veröffentlicht, für die ich mit anderen zusammen angefragt wurde. Aus den eingereichten Antworten auf sechs Fragen hat die Redaktion jeweils ein kurzes Statement ausgewählt.

Umfrage Mühlacker Tagblatt 22.01.22: Wie halten Sie es mit der Religion?

Meine Antworten auf die Fragen im Ganzen:

  1. Welche Gedanken haben Sie, wenn Sie Religion hören?

Erst einmal bin ich neugierig, worum es geht. Religion kann voller Schönheit, Spiritualität, Liebe, Hingabe, Selbstvergessenheit sein. Sie kann sich auch negativ zeigen in Ideologie, Dogmatismus, Intoleranz.

  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Religion gemacht?

Da ist meine eigene Lebensgeschichte, die sich ohne „Religion“ gar nicht erzählen lässt. Da sind aber auch viele interessante und schöne Begegnungen mit Menschen anderer Religionen, anderen Glaubens, anderer Konfession. Wo eine Offenheit füreinander besteht, auch für Fremdes, können Begegnungen sehr bereichernd sein.

  •  Was wünschen Sie sich von einer Religion?

Ich weiß nicht, ob man sich von einer Religion etwas wünschen kann. Man kann sich von Gott etwas wünschen, vom Leben etwas erhoffen. Aber von einer Religion etwas wünschen? Ich wünsche mir, dass Religion mich nicht bedroht, sondern weiterbringt. Aber eine Wunschreligion wünsche ich mir nicht. Religion sollte mir einen Weg eröffnen, der vielleicht sogar unbequem sein kann.

  • Was können Vor- und Nachteile einer Religion sein?

Schwierige Frage. Es kann sehr hilfreich sein, mit anderen seinen Glauben zu teilen, gemeinsam einen Weg aus Überzeugung zu gehen. Religion stiftet Gemeinschaft. Das kann im Einzelfall aber auch bedeuten, dass es eng wird, statt weit, dass man gemeinsam auf einen Weg gerät, der nicht weiterführt, dass man die Augen verschließt vor Dingen, die man nicht sehen oder wahrhaben will.

  • Wie wird Ihrer Meinung nach Religion bei uns in Deutschland gelebt?

Oft sehr oberflächlich. Man erwartet von Gott, dass man beschützt, behütet gut durchs Leben kommt und möchte im Übrigen von ihm in Ruhe gelassen werden. Zugleich spüren wir deutlich, dass wir übergriffig sind gegenüber der Natur und den Generationen nach uns ein Erbe hinterlassen, für das wir nicht gerade stehen können. Kann die Menschheit sich selbst retten?

  • Wie sollte Religion gelebt werden und wie lebst Du sie?

Zur Religion gehören Ehrlichkeit und eine Antwort auf die Frage, wofür ich dieses einzige und einmalige Leben einsetzen möchte, das mir geschenkt ist. Ich glaube nicht, dass wir auf der Welt sind, um es bequem und schön zu haben, sondern um unseren Beitrag zum Guten zu geben. Deshalb engagiere ich mich an verschiedenen Stellen, bin aktiv in meiner Kirche und versuche im Rhythmus von Sonntag und Werktag, Gottesdienst und Alltag präsent zu sein.

Veröffentlicht von

TPlieninger

Pfarrer, ev., im Ruhestand zuletzt Referent beim Dekan in 71254 Ditzingen