Alles, was Recht ist!

Predigt zum 3. So. n. Trinitatis beim Kurparkfest Bad Sebastiansweiler

Predigttext: Jona 3,10-4,11

10Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie umkehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat’s nicht.

Jonas Unmut und Gottes Antwort

1Das aber verdross Jona sehr, und er ward zornig 2und betete zum Herrn und sprach: Ach, Herr, das ist’s ja, was ich dachte, als ich noch in meinem Lande war. Deshalb wollte ich ja nach Tarsis fliehen; denn ich wusste, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt dich des Übels gereuen. 3So nimm nun, Herr, meine Seele von mir; denn ich möchte lieber tot sein als leben. 4Aber der Herr sprach: Meinst du, dass du mit Recht zürnst?

5Und Jona ging zur Stadt hinaus und ließ sich östlich der Stadt nieder und machte sich dort eine Hütte; darunter setzte er sich in den Schatten, bis er sähe, was der Stadt widerfahren würde. 6Gott der Herr aber ließ einen Rizinus wachsen; der wuchs über Jona, dass er Schatten gab seinem Haupt und ihn errettete von seinem Übel. Und Jona freute sich sehr über den Rizinus.

7Aber am Morgen, als die Morgenröte anbrach, ließ Gott einen Wurm kommen; der stach den Rizinus, dass er verdorrte. 8Als aber die Sonne aufgegangen war, ließ Gott einen heißen Ostwind kommen, und die Sonne stach Jona auf den Kopf, dass er matt wurde. Da wünschte er sich den Tod und sprach: Ich möchte lieber tot sein als leben.

9Da sprach Gott zu Jona: Meinst du, dass du mit Recht zürnst um des Rizinus willen? Und er sprach: Mit Recht zürne ich bis an den Tod. 10Und der Herr sprach: Dich jammert der Rizinus, um den du dich nicht gemüht hast, hast ihn auch nicht aufgezogen, der in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb, 11und mich sollte nicht jammern Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?


Wandmalerei Kilianskirche Bissingen an der Enz

Alles, was Recht ist. Gottes überraschende Barmherzigkeit



Liebe Gemeinde hier beim Kurparkfest Bad Sebastiansweiler,

wer diese Geschichte aufgeschrieben hat, wissen wir nicht. Erzählt wird in der 3. Person von Jona, Gott und Ninive. Ninive: Sodom und Gomorra! Babylon Berlin! Paris, New York und Amsterdam macht keinen Unterschied! Mannheim, München, Stuttgart brauchen sich nichts einzubilden! Die sind auch nicht besser …

Das weiß Jona und denkt: „Bei Gott! Jemand sollte mal etwas sagen!“ Aber er ist halt auch nicht besser, und sowieso, er wollte schon längst mal eine Kreuzfahrt nach Tarsis machen. Dort ist die Welt noch in Ordnung.

Jona haut ab. Es holt ihn ein. Gott holt ihn ein, und dann predigt er eben in Gottes Namen, aber deutlich, predigt den Leuten, was die Stunde geschlagen hat: „Last Generation!“ Noch 40 Tage bis zum Untergang! Alles, was Recht ist, so kann’s nicht weitergehen! So wird’s nicht weitergehen!

Womit er nicht gerechnet hatte: Die Leute nehmen es sich zu Herzen. Sie machen nicht einfach weiter, sie halten inne!

Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie umkehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat’s nicht.

Gottes überraschende Barmherzigkeit

An dieser Stelle, liebe Gemeinde, ist etwas Unglaubliches festgehalten, nämlich dass Gott nicht unumstößlich der konsequente Vollzieher von Recht und Gerechtigkeit ist, der zornige Rächer der menschlichen Schwächen, Unvernunft, Schuld, Bosheit, der dafür sorgt, dass es kein Entrinnen gibt und der Mensch die Konsequenzen seines Handelns zu spüren bekommt. Gottes Barmherzigkeit kommt zum Vorschein. Aber Gott ist auch nicht, wie heutzutage beliebt, einfach der Behüter und Beschützer der Menschen, egal, was er da beschützen und behüten soll.

Hier in der Jona-Geschichte ist beschrieben, dass Gott überdenkt und es nicht so weit kommen lässt, wie es kommen müsste.

Da reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und er tat’s nicht.

Damit kommt Jona nicht zurecht. Er hatte den Untergang angekündigt und möchte nun sehen, was passiert, und als nichts passiert, macht er Gott sogar Vorwürfe.

Ach, Herr, das ist’s ja, was ich dachte, als ich noch in meinem Lande war. Deshalb wollte ich ja nach Tarsis fliehen; denn ich wusste, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt dich des Übels gereuen. 3So nimm nun, Herr, meine Seele von mir; denn ich möchte lieber tot sein als leben.

Jona im Selbstmitleid. (Wenn kein Mensch Mitleid hat, muss man sich wohl selbst bedauern!)

Dann kommt die Geschichte mit dem Rizinus, wunderbar erzählt.

Gott der Herr aber ließ einen Rizinus wachsen; der wuchs über Jona, dass er Schatten gab seinem Haupt und ihn errettete von seinem Übel. Und Jona freute sich sehr über den Rizinus.

Aber am Morgen, als die Morgenröte anbrach, ließ Gott einen Wurm kommen; der stach den Rizinus, dass er verdorrte. 8Als aber die Sonne aufgegangen war, ließ Gott einen heißen Ostwind kommen, und die Sonne stach Jona auf den Kopf, dass er matt wurde. Da wünschte er sich den Tod und sprach: Ich möchte lieber tot sein als leben.

Da sprach Gott zu Jona: Meinst du, dass du mit Recht zürnst um des Rizinus willen? Und er sprach: Mit Recht zürne ich bis an den Tod. Und der Herr sprach: Dich jammert der Rizinus, um den du dich nicht gemüht hast, hast ihn auch nicht aufgezogen, der in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb, und mich sollte nicht jammern Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?

So endet die Geschichte, so endet das ganze Büchlein Jona, und man weiß am Ende nicht, wie sie weitergeht, was aus Jona wird, ob er wieder nach Hause geht oder nach Ninive oder noch einmal nach Tarsis. Wahrscheinlich ist das gar nicht so wichtig.

Überhaupt…

Geht es in dieser Geschichte um Jona oder um Ninive oder um Gott? Oder ist alles ineinander verwoben? Um wen oder was geht es?

Um wen oder was geht es, wenn wieder irgendjemand sagt: So geht es nicht! Alles, was Recht ist!

  • Das sagt im Parlament die Opposition und
  • das sagt die Gewerkschaft, wenn sie einen neuen Tarif will,
  • das heißt es in Betrieben und Familien, in Schulen und Behörden:

„So geht es nicht! Alles, was Recht ist!“

Aber wie geht es dann und worum geht es überhaupt?

Der letzte Satz lässt ahnen, es geht um die Menschen und auch um die Tiere, es geht um das Leben und Weiterleben und Überleben und nicht um das Vernichten und Zerstören.

Aber es geht auch um Jona und um jeden einzelnen Menschen für sich, um uns – mit unseren Geschichten von Vater und Mutter, mit unseren Geschichten des Alltags, unseren Aufbrüchen und unseren Anläufen, ums Scheitern und Erfolg haben, um alles, was Recht ist und über das hinaus, was Recht ist. Und wenn es um Jona und um uns geht, dann auch darum, dass Jona lernen muss, dass es nicht nur um ihn geht und wir lernen müssen, dass es nicht nur um uns geht!

Aus der Gegend von Ninive hatten wir in unserer Nachbarschaft ein Flüchtlingsfamilie, Vater, Mutter, drei Kinder: Adil, Anous, Hadi, Hiba, Gina. Eines Tages waren sie weg. Die Behörden hatten festgestellt, dass sie zu Unrecht hier waren. Alles, was Recht ist! Ihr seid zu Unrecht hier! Sie waren über Holland gekommen. Dort sollen sie bleiben. Abgeschoben! Wir haben sie dann einmal in Holland besucht, in Amsterdam, und geschaut, wie es ihnen ge ht. Es warein wunderschönes Wiedersehen.

Es ist, als spräche Gott heute zu uns Europäern, die wir im Schatten sitzen und klagen, weil so viele Krisen sind; als spräche Gott: …und mich sollte nicht jammern der Flüchtlinge, 100 Millionen weltweit, die nicht wissen, wohin; dazu auch das Leiden der der ganzen Schöpfung? Alles, was Recht ist! Was ist Recht?

In dieser Geschichte ist Gott barmherzig. Barmherzig! Nicht unbeteiligt, nicht unberührt, nicht schwach. Gott ist barmherzig, weil er barmherzig sein will!

Aber der Mensch tut sich schwer mit Barmherzigkeit. Der Mensch sagt: Alles, was Recht ist.

Welches Recht hat denn der Mensch?


Das Jonabüchlein endet so, dass der Mensch sich ein Beispiel nehmen soll an Gottes Barmherzigkeit. Vielleicht könnte es in diesem Sinn einmal so weit kommen, dass der Mensch sein vermeintliches Recht nicht nur behauptet, sondern teilt mit allem, was lebt. Amen.

Barmherziger Gott, erbarm dich auch unser, die wir häufig nicht wissen, was rechts oder links ist, und wenn wir es zu wissen meinen, hilf auch uns barmherzig zu sein!

Geh freundlich mit uns ins Gericht, wenn wir meinen, wir seien im Recht! Zeig uns, was recht ist! Wir bitten Dich. Amen!


Plädoyer fürs Warten

Ein gutes Wort für die Woche vom 21. Mai 2023 von Pfr. i.R. Traugott Plieninger

Im Kirchenjahr sind die Tage zwischen Himmelfahrt und Pfingsten dem Warten vorbehalten. „Die wartende Gemeinde“ ist das Motiv des Sonntags nach dem Fest Christi Himmelfahrt. Was verbinden wir mit Warten? Angenehmes oder eher Unangenehmes? Die Wartemusik am Telefon nervt. Wir warten nicht gern, vor allem nicht, wenn es sich hinzieht. Aber genauso schwer tun wir uns, wenn uns für irgendetwas keine Zeit bleibt.

Warten – Abwarten – Erwarten – Zuwarten – Aufwarten

Das Auto zur Wartung in die Werkstatt bringen

Der Wärter, die Wärterin: sie kümmern sich

Ich habe ein ruhiges Bild für das Warten gewählt. Für vieles brauchen wir Geduld, vielleicht nur ein Quäntchen Geduld oder auch viel Geduld. Hoffentlich ist unsere Geduld nicht zu früh oder im falschen Moment zu Ende und der Geduldsfaden reißt.

Von Himmelfahrt bis Pfingsten sind es 10 Tage. Wie fühlt sich erfülltes Warten an? Dankbar, aufmerksam, gelassen, heiter…

Ich wünsche Ihnen, dass auch das Warten Schönes für Sie bereithält.

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Ruhe finden

Ein gutes Wort für die Woche.
27.02.2023 Ev. Gesamtkirchengemeinde Bietigheim-Bissingen

Beim Stöbern in alten Fotos entdecke ich Bilder, die ich auf einer Reise vor ziemlich genau acht Jahren beim Sonnenaufgang gemacht habe. Die Erinnerungen sind sofort da und verbinden sich mit der faszinierenden Ruhe eines herrlichen Sonntagmorgens. Bei Dunkelheit waren wir aufgebrochen, um rechtzeitig vor Tagesanbruch an einer Aussichtsplattform zu sein und dann zu erleben, wie in kurzer Zeit die Dunkelheit weicht und mit dem Zunehmen des Lichts die Konturen einer weiten Landschaft aus der Dämmerung heraus sichtbar werden.

Der Himmel war wolkenlos. Von Osten her schickte die Sonne ihr Licht voraus bis sie schliesslich ganz zu sehen war. Fasziniert erlebten wir das wunderbare Schauspiel, sprachen nur wenige Worte zueinander, um die Stille nicht zu stören.

„Morning has broken…“ – „Morgenlicht leuchtet…“
Die Melodie des bekannten Liedes kommt beim Betrachten der Bilder wie von innen. Ruhe finden.

*

Mit dem Aschermittwoch hat die Fastenzeit, die Passionszeit begonnen. Der Lärm der närrischen Tage ist verklungen, und ich spüre mein Bedürfnis nach Ruhe. Nicht nach körperlicher Ruhe. Ich bin nicht müde. Es ist eher das Bedürfnis offen sein zu können für etwas, das keine Nachricht enthält, kein Hingucker ist, mich eher als Impuls aus einer verborgenen Wirklichkeit anspricht. Ich lasse meinen Gedanken freien Lauf:

  • Ende Februar, Anfang März… Der Winter ist auf dem Rückzug. Gibt es schon eine Art Bilanz?
  • Der 3. März ist der Internationale Tag des freien Sonntags. Hat das noch eine Bedeutung? Welche?
  • Der 3. März ist auch der erste Freitag im März, an dem wieder Menschen in mehr als 150 Ländern zum Weltgebetstag der Frauen zusammenkommen. Ein Gebet wandert über 24 Stunden um den Erdball … und verbindet Menschen über alle Grenzen hinweg. Dieses Jahr haben Frauen aus Taiwan die Liturgie für den Gottesdienst vorbereitet.

Ich brauche Ruhe, um nachdenken zu können und um das verdauen und verarbeiten zu können, was mich beschäftigt, was mir einfällt und auffällt. Ich brauche Ruhe, und es ist schön, die Ruhe auszuhalten, wenn sie sich – manchmal unerwartet und unverhofft – einstellt. Mein Motto für die Fastenzeit: Ruhe finden! Und ich meine nicht, dass ich in Ruhe gelassen werden will, eher schon Ruhe finden, um gelassen zu werden.

Armenien – Jerewan 18.-22. Mai 2022

Anlass meines Besuchs in Armenien war die Einladung zur 9. Rotary-Distrikt-Konferenz des Distrikts 2452 durch Distrikt Governor Ashot Karapetyan, die er mir gegenüber bei einer Begegnung im Libanon im Oktober 2021 ausgesprochen hat. Aus unserem Rotary-Club Bietigheim-Vaihingen / IWC Ludwigsburg sind wir zu zweit angereist.

Der Rotary-Distrikt 2452 besteht aus Rotary-Clubs in neun Ländern: Georgien, Armenien, Zypern, Libanon, Jordanien, Palästina, Bahrein, Vereinigte Arabische Emirate, Sudan. Bis auf Sudan waren alle Länder auf der Konferenz vertreten. Erstmalig stellte Armenien den Governor, erstmalig fand eine Rotary-Distriktkonferenz in Armenien statt. Konferenzzentrum war das Multi Grand Hotel mit den großartigen Räumen des Pharaon-Komplex. Zur Konferenz gab es für Interessierte ein touristisches Begleitprogramm, das wir intensiv genießen konnten. Sehr schöne Vorab-Impressionen vermittelt das Welcome-Video der Konferenz.

Unser Flug ging abends von Stuttgart über Wien nach Jerewan, insgesamt 4 1/2 Stunden Flugzeit. Die Zeitverschiebung zu Armenien beträgt zwei Stunden, so dass wir morgens um kurz vor 4 Uhr auf dem Flughafen Swartnoz gelandet sind und von dort mit dem Taxi ins Hotel fuhren.

Mittwoch, 18. Mai – Tag 1 vor Konferenzbeginn

Mit einer deutschsprachigen Fremdenführerin starteten wir mit einem Taxi in Richtung Osten, ca. 25km nach Etschmiadsin (Echmiadzin, Էջմիածին . Erste Station war die Kirche St. Hripsime, 7. Jahrhundert.


Nachdem wir soeben einen Jubiläumsband über die Bartholomäuskirche Markgröningen veröffentlicht haben, „750 Jahre Bartholomäuskirche“, wird man hier doch ganz bescheiden. Als in Markgröningen die erste Glocke gestiftet wurde, stand St. Hripsime schon 654 Jahre lang und war nicht einmal die erste oder älteste Kirche in dieser Region. Informationen zu St. Hripisime findest Du u.a. auf den Seiten des Armenian Travel Bureau oder auf einer Übersichtsplattform über die UNESCO Welterbe-Stätten in Armenien.


Nächste Station war die Kirche St. Gayane, unweit von St. Hripsime, ebenfalls aus dem 7. Jahrhundert und ins UNESCO Welterbe aufgenommen (Wikipedia deutsch)


Höhepunkt des Ausflugs war der Besuch in Etschmiadsin, Zentrum der Armenisch-Apostolischen Kirche und Sitz des Katholikos, Oberhaupt dieser Kirche. Die Kathedrale, leider wegen Renovierungsmaßnahmen geschlossen, ist eine der ältesten Kirchen der Welt und ebenfalls eine der UNESCO-Welterbe-Stätten. Der Bau geht historisch zurück auf das Jahr 301, in dem Armenien als erste Nation geschlossen den christlichen Glauben annahm.


Bilder der Kathedrale gibt es zuhauf, Details ohne Ende. Empfohlen sei auch die eigene Website der Stadt mit einem Link zu den für Touristen gefragten Zielen (bitte in den Einstellungen die englischsprachige Version anklicken, falls diese nicht von allein erscheint). Besonders beeindruckt hat mich die Gesamtanlage des Klosterareals mit dem gewaltigen Eingangsportal (Gate of Saint Gregory), das von außen Trdat III und Gregor, den Erleuchter, zeigt, die beiden, die als Gründer der armenischen Kirche angesehen werden. Gregor bringt Trdat III. das Licht des Evangeliums (s. Ökumenischer Namenskalender).


Das Eingangstor, das das Areal von Osten her erschließt, wurde im Jahr 2001 errichtet zum 1700-Jahr-Jubiläum der Apostolisch Armenischen Kirche. Im Innenbereich beieindruckt neben dem Eingangstor ein großer Freiluftaltar, auf dem alle sieben Jahre das besondere Salböl, das Myron, geweiht wird. Was es mit diesem Brauch auf sich hat, der für die weltweite Kirche der Armenier zentral ist, ist auf einem Blog der Diözese Eichstett ausführlich und anschaulich beschrieben.

Am 25. September 2022 wird es wieder soweit sein. Pilger aus der ganzen Welt werden erwartet, wenn hier das Heilige Öl 40 Tage lang zubereitet und geweiht wird. [Blog in englischer Sprache, Kurzfassung mit beeindruckenden Bildern. + Ausführliche Beschreibung des Rituals in englischer Sprache.]

Ausruhen in Etschmiadsin


Zum Abschluss der Tour besuchten wir die Ruinen der Kathedrale von Swartnoz (Zvartnots), von welcher der nahe gelegene Flughafen von Jerewan Zvartnots (EVN) seinen Namen hat. Im Hintergrund sieht man den Ararat, zu dem uns eine weitere Tour am Samstag führen wird.

Jerewan – Yerevan Impressionen

Donnerstag, 19. Mai
Ararat-Brandy und
Konferenzbeginn

Eröffnung der Konferenz um 18 Uhr

Multi Grand Hotel (Konferenzhotel) – Lobby
People of Action Rotary Year 2021-2022

Mit einem bunten Strauß aus Reden, Grußworten, Präsentationen aus Projekten und Begegnungen im Distrikt 2452 wird die Konferenz eröffnet. – Auf einem der Videos entdecke ich mich selbst. Es enthält ein Foto von der Fahrt zur Schneller-School (Libanon) im Oktober 2021.

Die Eröffnung geht nach einer kurzen Pause über ins Welcome-Dinner. Rotarierinnen, Rotarier und Gäste genießen der Eröffnungsabend in bunter Zusammensetzung an ihren Tischen

Freitag, Samstag, 20./21. Mai, Distriktkonferenz mit einer breiten Themenpalette, Referenten, Sprecherinnen und Sprecher aus den verschiedenen Ländern und Regionen des Distrikts und Rotary International

Bilder verschiedener Rede- und Programmbeiträge

Gala Dinner am Freitagabend, Pharaon-Complex, Ramses Hall


Für einen Ausflug nach Khor Virap haben wir am Samstagvormittag auf die erste und auf den Anfang der zweiten Session des Konferenzprogramms verzichtet. – Das Kloster Khor Virap, nah am Ararat gelegen, ca. 50 km südlich von Jerewan nah der türkisch-armenischen Grenze ist mit den Anfängen des Christentums in Armenien in engem Zusammenhang. Gezeigt wird der Kerker, in welchem Gregor der Erleuchtete 13 Jahre gefangen gehalten wurde. Das Kloster ist der dem Ararat am nächsten gelegene Ort Armeniens.


Abschluss der Konferenz – Ausklang beim Armenischen Abend in der Nazani Wine Factory ca. 40 km außerhalb Jerewans


Governor Ashot Karapetyan und der Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Gjumri, Alexan Ter-Minasyan, überreichen mir die Konferenz-Gedenkmedaille und laden mich ein, im Rotary Länderausschuss (ICC) Deutschland-Armenien mitzuarbeiten.


Mit dem Armenischen Abend endet die Konferenz. District Governor Elect George M. Azar übernimmt den Governorstab zum 1.7.2022 und lädt zur nächsten Distrikt-Konferenz nach Beirut ein: 11.-13. Mai 2023.

Einige der Konferenzteilnehmer starten am Sonntag zu einer weiteren, zweitägigen Exkursion. Wir sind eingeladen, für den ersten Tag mitzukommen und lernen weitere sehenswerte Orte in Armenien kennen:
Erste Station ist Vernissage Jerewan. Von Jerewan fahren wir zu einer weiteren UNESCO-Welterbestätte, dem antiken Tempel von Garni


Eine besondere Art des Brot Backens lernten wir in der Mittagspause kennen. Der hauchdünn ausgewellte Teig wurde an der runden Wand einer Backgrube gebacken. Zwei Frauen standen /saßen auf dem Boden, die Beine in einer Grube. Die eine wellte den Teig, die andere buk den Fladen in der Grube


Die nächste Station war das in den Fels gehauene Höhlenkloster Geghard, dessen Tradition auf den Beginn der Christianisierung im 4. Jahrhundert zurückgeht. Die Lanze des Thaddäus soll dort als Reliquie verwahrt worden sein. – Viele Touristen besuchen den Ort, besonders aber auch Familien, die in der Kirche ihre Kinder zur Taufe bringen.


Letzte Station unserer Armenienreise ist die Basaltschlucht „Symphonie der Steine“ unterhalb des Garni-Tempels den wir zuvor gesehen hatten – ein imposantes Naturerlebnis. Störend ist allerdings der Verkehr auf der neu erbauten Straße. Von der „Symphonie der Steine“ war während unseres Besuchs nichts zu hören. Unser Bus hielt oberhalb der Schlucht. Wir erkundeten sie zu Fuß. Vielleicht muss man werktags kommen, wenn der Verkehr ruhiger ist.


Ein sehr schönes Video der Gegend findest Du auf YouTube: Fly over Geghard Monastery & Garni Temple von Levon Karapetyan

Schnell sind sie vorüber gegangen, die Tage in Armenien, geprägt von vielen Begegnungen und intensiven Erlebnissen unterwegs. Ein herzliches Dankeschön Governor Ashot Karapetyan und all denen, die die Konferenz vorbereitet haben: Anahit, Sofia und Ani im Besonderen, die sich um alle unsere Fragen und Wünsche gekümmert haben, Sona aus Beirut, die unermüdlich für unser Armenien-Erlebnis ein Highlight nach dem andern in unser Programm gezaubert hat. – Auf Wiedersehen Armenien, Good bye Armenia, Au revoir Armenia! ❤️

Wie halten Sie es mit der Religion?

Die Nationale Versammlung der Bahaì in den USA hat ihn einst initiiert, den WORLD RELIGION DAY, immer am 3. Sonntag im Januar, erstmals 1950. Inzwischen wird er auch über die USA hinaus wahrgenommen. Das Mühlacker Tagblatt hat am Samstag, 22. Januar eine kleine Umfrage von Volker Henkel veröffentlicht, für die ich mit anderen zusammen angefragt wurde. Aus den eingereichten Antworten auf sechs Fragen hat die Redaktion jeweils ein kurzes Statement ausgewählt.

Umfrage Mühlacker Tagblatt 22.01.22: Wie halten Sie es mit der Religion?

Meine Antworten auf die Fragen im Ganzen:

  1. Welche Gedanken haben Sie, wenn Sie Religion hören?

Erst einmal bin ich neugierig, worum es geht. Religion kann voller Schönheit, Spiritualität, Liebe, Hingabe, Selbstvergessenheit sein. Sie kann sich auch negativ zeigen in Ideologie, Dogmatismus, Intoleranz.

  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Religion gemacht?

Da ist meine eigene Lebensgeschichte, die sich ohne „Religion“ gar nicht erzählen lässt. Da sind aber auch viele interessante und schöne Begegnungen mit Menschen anderer Religionen, anderen Glaubens, anderer Konfession. Wo eine Offenheit füreinander besteht, auch für Fremdes, können Begegnungen sehr bereichernd sein.

  •  Was wünschen Sie sich von einer Religion?

Ich weiß nicht, ob man sich von einer Religion etwas wünschen kann. Man kann sich von Gott etwas wünschen, vom Leben etwas erhoffen. Aber von einer Religion etwas wünschen? Ich wünsche mir, dass Religion mich nicht bedroht, sondern weiterbringt. Aber eine Wunschreligion wünsche ich mir nicht. Religion sollte mir einen Weg eröffnen, der vielleicht sogar unbequem sein kann.

  • Was können Vor- und Nachteile einer Religion sein?

Schwierige Frage. Es kann sehr hilfreich sein, mit anderen seinen Glauben zu teilen, gemeinsam einen Weg aus Überzeugung zu gehen. Religion stiftet Gemeinschaft. Das kann im Einzelfall aber auch bedeuten, dass es eng wird, statt weit, dass man gemeinsam auf einen Weg gerät, der nicht weiterführt, dass man die Augen verschließt vor Dingen, die man nicht sehen oder wahrhaben will.

  • Wie wird Ihrer Meinung nach Religion bei uns in Deutschland gelebt?

Oft sehr oberflächlich. Man erwartet von Gott, dass man beschützt, behütet gut durchs Leben kommt und möchte im Übrigen von ihm in Ruhe gelassen werden. Zugleich spüren wir deutlich, dass wir übergriffig sind gegenüber der Natur und den Generationen nach uns ein Erbe hinterlassen, für das wir nicht gerade stehen können. Kann die Menschheit sich selbst retten?

  • Wie sollte Religion gelebt werden und wie lebst Du sie?

Zur Religion gehören Ehrlichkeit und eine Antwort auf die Frage, wofür ich dieses einzige und einmalige Leben einsetzen möchte, das mir geschenkt ist. Ich glaube nicht, dass wir auf der Welt sind, um es bequem und schön zu haben, sondern um unseren Beitrag zum Guten zu geben. Deshalb engagiere ich mich an verschiedenen Stellen, bin aktiv in meiner Kirche und versuche im Rhythmus von Sonntag und Werktag, Gottesdienst und Alltag präsent zu sein.

Rückblick – Januar 2000

Amtsblatt Markgröninger Nachrichten zum 2. Sonntag nach Epiphanias, 16.01.2000

Wochenspruch:     Das Gesetz ist durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Johannes 1,17

Liebe Leserinnen und Leser,

„Aber eins ist wahr: / dass das neue Jahr / mal ein altes Jahr / werden wird und gar / ein sehr altes Jahr,…“ So heißt es in dem Gedicht „Neujahrsbedenken“ von Hans Scheibner.

In der Tat, Mitte Januar hat das Neue Jahr schon seinen ersten Glanz verloren und ist der Alltag eingekehrt. Trotzdem: Ihnen allen einen herzlichen Gruß zum Jahr 2000 und dass es ein gutes Jahr für Sie werde, für unsere Stadt und auch für unsere Kirchengemeinde!

Die kirchlichen Nachrichten beginnen wieder mit den Wochensprüchen zur kommenden Woche. Das soll also bleiben im Jahr 2000, dass ein Bibelvers vorangestellt wird und wir uns um sein Verständnis mühen.

„Das Gesetz ist durch Mose gegeben…“ Das wird im Johannesevangelium als eine große Errungenschaft angesehen und ist es auch. Bei all den Rückblicken auf das Jahr 1999, auf das Jahrhundert und die Jahrtausende war diese Errungenschaft wohl kaum genannt und wäre doch der Erwähnung wert gewesen: „Das Gesetz ist durch Mose gegeben…“, die 10 Gebote also und das Gebot, den Nächsten zu lieben, und all die anderen Gebote und Gesetze, die sich davon ableiten. Die Menschheit wäre nicht sehr weit gekommen, hätte statt der Gebote das Recht des Stärkeren regiert.

„Die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“ Das gilt im Johannesevangelium als die noch größere Errungenschaft, und die Geschichten, die das Johannesevangelium erzählt, verdeutlichen dies: Wasser wird zu Wein, der Gelähmte steht auf, der Blinde sieht das Licht, die Ehebrecherin wird freigesprochen, … Die Gnade und Wahrheit – das ist das Unerwartete, was man kaum zu hoffen gewagt hätte, was einem vielleicht die Tränen in die Augen treibt. Mög‘ das Neue Jahr davon etwas bringen, dass wir ein Lied davon singen können: amazing grace, how sweet the sound…                        Ihr Pfarrer Traugott Plieninger

Stifte der Zuversicht

Ein Impuls von


Damit Flüchtlingskinder
in Syrien nicht vergessen werden.


Liebe Leserin,
lieber Leser meines Blogs,
mit unserem Verein Fokus Nahost e.V. – Netzwerk für Frieden und Vielfalt unterstützen wir basisnahe Projekte, die der Bedrohung der einmaligen ethnischen, kulturellen und religiösen Vielfalt im Nahen Osten entgegenwirken. Stifte der Zuversicht verteilen wir in Solidarität mit einer Initiative, die sich seit vier Jahren um Kinder in Flüchtlingslagern im Süden Syriens kümmert. Die Stifte stehen symbolisch für Schule, Lernen, Zukunftsperspektive, Hoffnung für Kinder und ihre Familien.

Mit dabei sein kann man mit einer Spende: jeder noch so kleine Betrag hilft. Das Spendenkonto findest Du im Flyer, die Stifte gibt es bei uns Fokus-Nahost-Leuten, also z.B. auch bei mir.
Wir würden uns freuen, wenn Du mitmachst!

„Auf, lasst uns spielen, lasst uns lernen“ hat die Deutsche Gabriele Conrad-Hamzé das Projekt für syrische Flüchtlingskinder genannt, das sie 2016 mit ihrem Mann Chafiq Hamzé begonnen hat. Engagierte Lehrerinnen und Ehrenamtliche kümmern sich um die Kinder. Die Flüchtlingslager liegen im Süden Syriens bei Soueida, einer drusisch-christlichen Gegend. Hierher sind viele Familien aus dem Norden geflüchtet. Momentan sieht es nicht so aus, als könnten sie in absehbarer Zeit wieder zurückkehren. Viele Häuser wurden zerstört.

Über Flüchtlinge innerhalb Syriens hören wir in Deutschland wenig. Es gibt zwar Zahlen, aber wenige Berichte. Die Menschen, die ab 2016 in die Gegend von Soueida geflüchtet sind, gehören zu einer bäuerlichen, seit jeher unterprivilegierten Schicht im Norden Syriens. Sie hatten schon davor unter jahrelang ausbleibenden Regenfällen gelitten. Dann kamen der Bürgerkrieg und die Gräueltaten des Islamischen Staats (IS) dazu. Die Flüchtlinge, die aus Hassake und Qamishli im Norden stammen, sind Aramäer, Kurden, Araber und Armenier. Unter ihnen sind auch Christen. Aus Deir-ez Zor sind sunnitische Muslime in den Süden geflüchtet.

Morgengymnastik

Die Morgengymnastik gehört genauso zu den Ritualen der Schule wie das gemeinsame Essen, das für die zum Teil unterernährten Kinder sehr wichtig ist.


Das Hochplateau von Soueida liegt auf ca. 1000m Höhe. Im Winter ist es hier bitter kalt und die Zelte geben nur wenig Schutz. Im Sommer wird es sehr heiß.

Auch wenn der Platz beengt ist – die Kinder lernen begierig. In der Schule wird im Winter etwas geheizt und die Kinder können sich hier auch waschen.

Angesichts der katastrophalen Unterbringungs- und Bildungssituation der Kinder geht es vor allem darum, die Kinder aus den Zeltlagern bei Soueida durch spielerisches Lernen auf eine Einschulung vorzubereiten und den Kindern, die teilweise traumatisiert und verstört sind, eine breit gefächerte soziale Betreuung zu geben.

In dem Zentrum werden ca. 100 Kinder erreicht, die an drei Tagen in der Woche fünf Stunden unterrichtet werden – in einem weiteren Raum gestaltet eine Erzieherin ein Programm für Kindergartenkinder. Weit mehr Kinder sind eingeschrieben, ein Drittel muss aber mit den Eltern in den Gemüsefeldern der Umgebung arbeiten. Den Unterricht und die soziale Betreuung nehmen fünf kompetente, liebevolle Lehrerinnen wahr. Zusätzlich kommen regelmäßig zwei ehrenamtliche Erzieherinnen, die eine spezielle Ausbildung für kriegsgeschädigte Kinder haben.

Vor vielen Jahren errichtete Chafiq Hamzé aus eigenen Mitteln ein Umweltzentrum, dessen Gebäude heute für die Flüchtlinge genutzt werden. Er arbeitet in der Organisation des Projekts tatkräftig mit.

Mit Begeisterung und Ungeduld erwarten die Kinder ein jede Woche aufgeführtes Puppenspiel, das eine ausgebildete Kraft pädagogisch fundiert vorbereitet. Die Kinder erhalten jeden Tag eine gesunde Mahlzeit. Sie werden auch mit Kleidung und – wenn nötig – mit Medikamenten versorgt.
Während des Corona-Lockdowns im Sommer 2020 haben die Ehrenamtlichen mit Gabriele Hamzé Aufgaben zusammengestellt, die ins Camp gebracht wurden und unter Beaufsichtigung eines engagierten Studenten aus dem Dorf bearbeitet und zurückgebracht wurden. Ferner haben sie Lebensmittel-Care-Pakete im Camp verteilen lassen. Mittlerweile sind die Schulen wieder geöffnet und die Arbeit läuft wie vor dem Lockdown.

Die Märkte sind gut versorgt, aber die Lebensmittelpreise sind in den letzten Monaten explodiert und treiben schon die Normalbürger in den Ruin. Es gibt wenig Strom und das Benzin wird in Literflaschen gekauft. Viele Flüchtlingskinder zeigen Anzeichen von Unterernährung.

Die ansässigen Hilfsorganisationen kommen meist nur vorbei, um Statistiken zu erheben. Gabriele Conrad-Hamzé schreibt, dass die Hilfsgüter des UNHCR und Lebensmittelhilfen vom Roten Halbmond im Suq verkauft werden. Diese müssen sie dann zur kalten Jahreszeit für die Ärmsten im Camp wieder teuer zurückkaufen.
Zu der Angst vor Corona und Hunger kommt die Angst vor Angriffen. So schlugen Anfang Oktober einige Raketen im Nachbardorf ein – acht junge Menschen starben. Die Menschen in den Flüchtlingslagern und in den Dörfern sind von einem normalen, friedlichen Leben noch weit entfernt.

(c) Text und Bilder: Fokus Nahost

Weiterführende Informationen: Interview mit Gabriele Hamzé-Conrad im EKD-Portal: „Das Syrien, das wir einmal kannten, ist verloren gegangen.“ Vgl. auch das 2018 im Autumnus-Verlag erschienene Taschenbuch:

Bissinger Impressionen

Längst ist es Herbst geworden, aber immer noch faszinieren die Bilder, die durch die Herbstsonne entstehen. Wolken und blauer Himmel spiegeln sich in der Enz. Nach einem Regentag schafft es die Abendsonne noch, die abziehenden Wolken in ein besonderes Licht zu tauchen. Weitere Bilder von unseren Spaziergängen in und um Bissingen und an der Enz findest Du auf meinem FlickR-Account im Album Bissingen-Impressionen.